Werbespotter Werbung sehen, verstehen und sezieren :)

18Nov/110

Benetton schafft es immer wieder.

Unhate Benetton Palestine IsraelDie Kampagne ist fast schon 3 Tage alt und erst jetzt habe ich sie bemerkt. Jetzt, als die ersten Meldungen durch die Presse gingen, dass Benetton sich dazu entschlossen hat, eines der Motive,  das Motiv mit dem Papst und dem Iman, wieder zurückzu ziehen.  Schließlich wollen sie die Liebe in der Welt fördern und niemanden, schon gar nicht die gläubigen Christen und Ihre Gefühle, verletzen.

Ich denke, damit tut der Vatikan genau das, was Benetton von ihm erwartet hat.  Spannend finde ich auch, dass der Sprecher des Vatikans natürlich nur sagt, dass es respektslos gegenüber dem Papst sei. Vom Iman sagt er nix. Und Überhaupt, sind wir es nicht geewohnt, dass Muslime sich verunglimpft fühlen? Haben wir nicht von den Medien immer die Bilder in den Kopf gehämmert bekommen, dass bei der kleinsten Kränkung DIE Muslime (also immer gleich alle Muslime, statt derjenigen, die im Bild gezeigt werden und denen man vorher die Fahnen zugesteckt hat) alles mögliche verbrennen, bevorzugt eben FahnenUnhate Benetton Germany France oder Karikaturen aus dem jeweiligen Verfasserland? Nun gut, vielleicht kommt der Sturm der Entrüstung ja noch oder vielleicht sind die Muslime da tatsächlich auch mal entspannter als die Christen, das wär ja auch mal spannend.

Benetton hat jedenfalls wieder einmal sehr vieles richtig gemacht.
Den Vatikan in eine Situation zu bringen, in der er etwas gegen eine Kampagne haben muss, die als selbst erklärtes Ziel die Vermehrung der Liebe in der Welt hat, ist schon die ganz große Kunst.

Die Kampagnen von Benetton waren  schon immer  auf  "Krawall" gebürstet mit ihren verstörenden Plakaten.  Regelrechte Ikonen der Werbung sind daraus geworden: die ölüberzogene Ente, Einschusslöcher in der blutverschmierten Kleidung eines bosnischen Soldaten, als HIV-positiv abgestempelte Körper, eine schwarze Mutter, die ein weißes Baby säugt, oder eine weiße Stute, die von einem dunklen Hengst gedeckt wird. Meist sogar äußerst ästhetische Fotos, aber eben sehr viele Motive, die es ohne Benetton niemals in die Werbung geschafft hätten. Die Themen sind allenfalls als Meldung in den Nachrichten untergegangen.  Aber durch den Kleiderfabrikanten wurden sie überall plakatiert und brannten sich in ein kollektives Gedächtnis ein. Vielleicht hat diese zweckentfremdete Werbung sogar mehr Bewußtsein für die jeweils gezeigten Dinge geschaffen, wie es teure staatliche Kampagnen hätten tun können.

Auch was die Kirche angeht, gabe es bereits ein provokantes, aber sehr ästhetisches Motiv, auf dem sich eine Nonne und ein Priester leidenschaftlich küssen. Christen, speziell Katholiken und der Vatikan,  scheinen also ein Problem mit dem Küssen zu haben, also zumindest, wenn Benetton es inszeniert.  Aber gerade mit den gezielt gesetzen Aufregern schafft man es eben auch in die Nachrichten und muss die ganze PR nicht mal bezahlen. (Selbst ich bekomme für diesen Blogbeitrag mal wieder nichts!)  Über die Vermischung von solchen Meldungen mit dem echten Nachrichtengeschehen, wenn man von Google-Plänen  und Appel-Klagen oder auch Opel-Werksschließungen oder ähnlichem berichtet, und somit Werbung, Wirtschafsnachrichten und allgemeine Nachrichten auf teilweise seltsamste Weise im Journalismus miteinander verknüpft, möchte ich jetzt nicht weiter eingehen.  Das könnte irgendwann einen eigenen  Beitrag wert sein.

BruderkussKüssen, wenn es groß gemalt und plakatiert wird, scheint ein Aufreger zu sein und zu bleiben. Zumindest sorgt es oft für Aufregung. Auch ein sehr bekannter Kuss ist der, der hier an die Mauer gesprüht zu einer Art Ikone wurde.

Wie der Text unter dem sozialistischen Bruderkuss aber beweist, war es bei den beiden ja wohl keine wirkliche Liebe.  Und bei den Benettonmotiven?

Nun ja, die Motive sind natürlich sehr ähnlich gewählt, so dass wahre Liebe unter den entsprechenden Personen wohl eher nicht herrscht. Es handelt sich in der Kampagne offiziel um Fotomontagen, wobei ich teilweise denke, der ein oder andere Kuss könnte auf irgendwelchen offiziellen Anlässen fast wirklich so entstanden sein.  Bei Merkel und Sarkozy ist die Liebe sicherlich auch näher, als z.B. zwischen Nord- und Südkorea oder Israel und Palästina.

Unhate Benetton NorthKorea SouthKoreaAber wäre es nicht schön, wenn sich all' die gezeigten Leute in genau diesen Konstellationen öfter mal in den Arm nehmen würden und leidenschalftich drauflosküssten?  Ok, ok,  sie müssen sich ja nicht gleich küssen, aber in den Arm nehmen und gemeinsam eine angenehme Zeit miteinander verbringen und mal wieder wie normale Menschen miteinander reden?  Das wäre sicherlich schon mal ein Anfang. Und so lässt mich, kurz vor Weihnachten, Benetton mal wieder träumen von einem perfekten Fest der Liebe. Gäbe es eine Skala, an der man den Grad der Perfektion einer Kampagne ablesen kann, würde ich hier gerne 100 Punkte vergeben. Auch hier bleibt es eine hohe Kunst, mir all diese teilweise sehr unsympathischen und älteren Menschen so in einer Werbung zu zeigen, dass man nicht per se angewidert ausspuckt. Denn Küssen sieht in jungen Jahren auch immer besser aus.  Zumindest auf den Fotos, die einem die Werbung sonst so zeigt.

Unhate Benetton USA VenezuelaBleibt die Frage, wie es mit dem aussieht, um was es eigentlich in der Kampagne geht, nämlich Pullover zu verkaufen. Ob es dort genauso funktioniert, war bei Benetton von je her die Frage. Ich glaube sogar, dass der Chef von Benetton einmal gesagt hat, dass es letztendlich ab einer bestimmten Bekanntheit und Firmengröße ziemlich egal sei, ob sie Werbung machten oder nicht. Und auch was dieWerbung zeigt sei dann egal und daher möchte er eben, dass da Dinge gezeigt werden, die er für wichtig hält.  Indirekt hat er damit auch dem eigenen Pulloververkauf eher genutzt als geschadet. Denn die Marke wurde dadurch sicherlich immer bekannter.

Unhate banned Pope Iman

Alle Motive der Kampagne und alles weitere gibt es auf den Seiten von Benetton. Und weil Benetton  jetzt das Plakat mit dem Papst  zurück zieht, ist es natürlich um so erfreulicher, dass man im Internet eigentlich nix mehr zurück ziehen kann.  Das Papst-Iman Foto findet sich zum Glück überall im Internet, z.B. hier: http://deadcatbounce.blogsport.de/2011/11/17/liebe-statt-hass/ Oder man bemüht die Bildersuche von Google mit den Suchworten: Benetton, Unhat und Papst z.B.  Die Kampagne hat auch ein Video. Und in dem spielen keine Promis die Hauptrolle.  Aber seht selbst.

 

3Oct/110

Datenkraken bei Facebook und Co.

Immer mehr Leute beschweren sich über die Datensammler im Internet. Leider auch immer mehr Leute, die sowieso keine Ahnung haben, was, wo und wieso bereits von einem gesammelt wird. Im Moment wird Facebook immer wieder an den Datenpranger gestellt. Facebook macht angeblich riesige Gewinne, in dem sie meine Daten verkaufen. Scheinbar gibt es da draußen riesige Unternehmen, die all' ihr Geld, das von der Finanzkrise noch über ist, in die Hand nehmen und dem Facebook oder auch dem Google in den Rachen werfen, nur um - wie Süchtige an ihren Stoff - an meine Daten heranzukommen. Also wenn Facebook es wirklich schafft, diese Unternehmen alle so an den Datentropf meiner Daten zu hängen, dann ziehe ich den Hut vor Facebook und Google und sage: Ihr habt euch jeden Cent verdient!

Analysiere ich meine Daten selbst, so gibt es Daten unterschiedlicher Qualität. Da sind z. B. meine Adressdaten. Super Idee, die zu verkaufen. Aber die Idee ist nicht neu und vor vielen Jahren war man sogar froh über den Eintrag im Telefonbuch. Heute ist das schon eher schwierig, weil die Leute ihre Mobiltelefonnummern oft ziemlich schnell wechseln, wenn es wieder günstige Tarife gibt, und die Daten in einem Jahr, wenn das neue Telefonbuch kommt, bereits gnadenlos veraltet sein können. Selbst das dümmste und gierigste Unternehmen hat kapiert, dass die Adresse alleine nicht viel bringt. Denn sie sagt allenfalls etwas drüber aus, ob ich männlich oder weiblich bin, gibt eventuell noch eine ganz wage Schätzung über meine Vermögensverhältnisse, wenn man die Straße in den Vermögensplan beim Monopoly einzuordnen weiß und weiß, dass die Schlossallee teurer ist als die Turmstraße. Dann hört es aber schon auf. Niemand weiß anhand meiner Adresse, ob ich bereits alle Versicherungen habe, die ich nicht brauche, oder ob es sinnvoll ist, mir schon mal Treppenlift und Seniorenwindelwerbung zu schicken, oder ob ich mehr Interesse an Babysachen oder Sportwagen hätte. Also führt die Adresse selbst nicht zum Ziel. Zumindest nicht zu einem wirklich qualifizierten.

Welche Daten gibt es noch von  mir, die man verkaufen könnte? Nun ja, alles, was weiterhilft, mich in Werberelevante Zielgruppen aufzuteilen. Da kann es hilfreich sein zu wissen für welchen Fußballverein ich schwärme oder ob ich überhaupt kein Sky-Abo - alle Tore, alle Spiele live -  brauche, weil ich Fußball hasse. Es kann helfen zu wissen, ob ich Sportwagen mag, wenn man mir unbedingt einen verkaufen will. Aber mal ehrlich, wer mag Sportwagen nicht? Würde ich mir deswegen unbedingt einen kaufen wollen? Das hängt dann schon noch von vielen weiteren Faktoren ab. Ist es also sinnvoller, mir Audi- oder Porsche-Unterlagen zu schicken, oder den Vertreter bei mir anrufen zu lassen? Und diese Daten sind so spezifisch, oft allenfalls gut zu raten, womit ein Werber natürlich schon glücklich wäre. Dann sollen Sie mir eben Werbung schicken für Sportwagen. :)

Und welche Daten sind dann noch da? Zum Beispiel mit welcher politischen Gesinnung ich sympathisiere. OK, aus der Traum mit der Sportwagenwerbung. Mist. Irgendwas ist ja immer. Aus meiner politischen Gesinnung mache ich sowieso nicht unbedingt ein Geheimnis, denn wenn ich mir schon die Mühe mache, zu einer politischen Überzeugung zu kommen, habe ich auch nichts dagegen, darüber zu diskutieren. Trotzdem würde diese Information oft höchstens die Parteien selbst, bzw. den Staat interessieren. Nur was er dann damit machen sollte mit den Informationen, so lange er nicht feststellt, dass ich extrem links oder rechts oder fanatisch-religiös bin und eine Gefahr für den Staat sein könnte, solange wird ihn das auch nicht wirklich weiterbringen, denn der Aufwand meine politische Gesinnung zu ändern, auch in langen Einzelgesprächen z.B. und seien die auch in kleinen Zellen oder wo auch immer, scheint mir jetzt echt etwas zu viel des Guten. Ich glaube einfach nicht, dass ich und meine Meinung so wichtig sein könnten, dass sich der finanzielle und personelle Aufwand lohnen könnte mich zwangsweise umstimmen zu müssen. Schade eigentlich, denn das kratzt jetzt natürlich an meinem Selbstwertgefühl, wenn ich und meine Meinung dem Staat nicht mal einen Versuch der großen Umstimmung wert bin.

Es könnten auch Krankheits und Allergiedaten sein, die von Interesse sind. Jetzt stelle ich mir vor ich habe eine böse Allergie, ärgere ich mich dann darüber, wenn mir Behandlungsmethoden oder spezielle Medikamente oder Ernährung angeboten werden? Es könnte mir sogar nützlich sein, wenn ich gleich Tipps und Hilfen für meine spezifischen Probleme angeboten bekäme. Das heißt das Datensammeln wäre dort sogar unter Umständen gut. Das geht ja nun mal gar nicht. Schlecht würde es da erst werden wenn Staat, oder z.B. zukünftige Arbeitgeber aus meiner Krankheit negative Entscheidungen über mein Leben treffen würden. Aber gegen die Krankenkassenkarte hat ja offiziel jetzt noch keiner was gesagt und zum Glück ist unser Gesundheitssystem so marode und mit teuren Wasserköpfen behangen, dass dort erst mal alle die Klappe halten. Nochmal Glück gehabt. :)

Ok, also was anderes. Wie wäre es mit den Saufbildern aus dem Netz, die mein Arbeitgeber plötzlich zugespielt bekommen könnte? Das sind doch Daten die ich in sicheren Händen wissen möchte, oder? Ja, allerdings, deswegen gibt es sowas nicht von mir. Also selbst wenn wir gesoffen haben, dann war keiner mehr in der Lage sein handy noch zu bedienen um Fotos zu machen. Manchmal ist das regelrecht Schade, würde man sich doch all zu gerne mal an die ein oder andere Tour erinnern können im Anschluss. Und gleich noch was, Wenn ich heute weiß dass jeder zweite Vollidiot jede Sauftour direkt live ins Web streamt, dann lade ich diese Leute einfach nicht mehr ein auf meine Partys, oder sorge dafür, dass ich mich nie ganz aus dem Leben schieße ohne die Fotohandygrafen auch völlig besoffen zu machen. Wir haben die Idioten früher einfach alleine gelassen, ich weiß das war nicht sehr sozial von uns, aber na ja, hat es uns geschadet? Es ist sicherlich heute schwerer die Idioten zu erkennen, denn sie tarnen sich mit unter geschickter als früher, aber trotzdem, wer dumm macht fliegt raus.
Was ein Boss aus einzelnen Fotos einer verkorksten Jugend ablesen will, na das ist dann die Frage, vielleicht ist er nur neidisch. Wenn es aber täglich aktuelle Sauffotos gibt, befürchte ich, dann wird der Boss es eh beim Vorstellungsgespräch riechen, Gut wären die Fotos dann nur, dass sich Ihr Boss da schon mal vorbereiten konnte und ihnen gleich die Nummer für den Trinkernotdienst in die Hand drücken kann, die bei Ihm auch Wunder gewirkt haben.

Ok, kommen wir zum eingemachten, wie sieht es mit Nacktbildern aus? Also ganz ähnlich wie beim Trinken denke ich. Erstens will die von mir wirklich keiner sehen, wegen Augenkrebs, also betrifft das Thema eher Mädels denke ich. Und wer selber welche bei Mydingsdahobby oder wie die Plattformen alle heißen posted, also der wird ja auch einigermaßen stolz auf seine Fortpflanzungsqualitäten sein. Im Übrigen wäre die Frage ob man dann nicht dort auch nochmal ein paar Bilder seines Chefs oder desjenigen findet, der die Fotos da gesucht hat. Hat es der böse Exfreund online gestellt, dann gibt es dagegen Rechtsmittel, wobei auch hier die Frage bleibt, ich glaube nicht das wahre Liebe wirklich bedeutet, dass der Typ euch beim Sex filmen muss. Wenn es Typen gibt, die das von euch verlangen Mädels, schickt sie in die Wüste.

Das waren jetzt schon einige Datentypen die man über mich, oder jeden anderen im Netz finden könnte. Doch was ist mit meinen Streams? Was ist mit den Daten die man aus meinen Suchanfragen ziehen kann? Aus der Historie meines Facebookaccounts oder sowas? Also auch hier sehe ich schwarz für die Datensammler. Sicherlich kann man daraus ein hervorragendes Profil erstellen von mir, hab ich ja quasi da selbst gemacht und bin auch noch stolz drauf. Dann weiß man vielleicht , was ich wann mal gesucht oder geposted habe. Wofür ich mich eventuell interessieren könnte. Halt, Nein, Wofür ich mich mal interessiert habe, so ist es richtig. Denn das ist das Schöne daran. Das Zeug liegt alles in der Vergangenheit und mein Kopf kann schneller Haken schlagen und noch auch mehr Rechenoperationen ausführen als jeder Computer. Solange mein Großrechner Gehirn einwandfrei funktioniert, erlaube ich mir alles zu suchen, und zu posten was mir in den Sinn kommt. Leider denkt mein Hirn auch oft sehr impulsive und irreführend für die Profiler der Webindustrie. So kann es sein, dass ich einen Namen oder eine Sache direkt google wenn ich sie im Fernsehen im Radio oder einer Zeitung oder Zeitschrift gelesen habe. Welcehs Medium genau, welche Sendung welcher Artikel der Zeitung bleibt dem google verborgen und es könnte sogar sein, dass ich völlig ohne Hilfsmittel auf einen Suchbegriff gekommen bin. Dann wird es ganz dumm ein zu ordnen sein.

Ich werde alleine von ca. 10.000 Werbebotschaften täglich und einer Fülle weiterer Informationen beeinflusst und natürlich greife ich auch noch auf einen riesigen Fundus aus Erinnerungen und völlig fiktivem Gedankengut zu. Egal wie, wer wirklich annimmt, dass so ordnen zu können, dass er mein persönliches Profil so genau tracken kann, dass er daraus auf mich personalisierte Werbung bringen kann, der darf das gerne versuchen. Aber er darf sich dann nicht wundern, wenn ich diese Werbung genauso ignoriere wie die Tausend Zettel im Briefkasten, die 2000 Werbemails im Mailfach und selbst die Anrufe und Gewinnspielbenachrichtigungen. Ihr könnt es gerne versuchen mir meine Zeit zu stehlen, aber wenn es mich zu sehr nervt, knippse ich euch einfach weg. Eventuell besteht sogar eher die Chance, dass ihr irgendwann einseht, oh gott, oh gott, oh gott, was sollen wir dem Typen denn noch anbieten? Bei dem ist Wünsche wecken und dann mit unseren Lösungen befriedigen eher unwahrscheinlich, der denkt ja selbst mit. Scheiße wie konnte das denn passieren?

Noch eines wird all zu oft dann vergessen. Selbst wenn die Daten gesammelt und mal angenommen sogar ausgewertet wurden, bisher hat mich noch niemand gezwungen meine personalisierte Werbung auch wirklich gut zu finden, zu klicken, oder Dinge direkt zu kaufen, ohne dass ich es wollte. Will sagen, solange man einigermaßen im Besitz eines funktionierenden Gehirns ist, bleibt immer noch die Möglichkeit NEIN zu sagen. Selbst bis zu 14 Tage später oft noch und gerade im Internet. Solange ich aber einfach in der Lage bin nein zu sagen, so lange habe ich das als Kunde selbst in der Hand. Wohl gemerkt, Schwarze Schafe interessiert das alles sowieso nicht. Die senden einem ungewollte Werbung sowieso jetzt schon ziemlich agressiv. Da helfen nur Beschwerden bei der Bundesnetzagentur z.B. und viel Geduld. Ich glaube keiner dieser Kandidaten schickt mir Werbung, weil ich bei Facebook einen Account habe. Wir reden also nicht wirklich von den schwarzen Schafen, die kommen sowieso an alle Daten wenn sie wollen, aber selbst die wissen scheinbar oft nichts weiter damit an zu fangen als mir Emails zu schicken für kuriose Pillen oder Armbanduhren. Das kann mein Spamfilter mittlerweile sogar weitestgehend selbstständig aussortieren und die Verzweiflung ist bei mir lange noch nicht groß genug, als dass ich mich auf sowas ein lassen würde. Ich kauf meine Rolexrepliken immer noch selbst in der Türkei am Strand.

Ich möchte die Datensammelwut und den Umgang mit den Daten nochmal von einer anderen Seite betrachten. Statt Facebook nehme ich hier mal die Datenkrake Nummer eins den guten alten Google. Dort kenne ich das System, welches mit den von mir gesammelten Daten arbeitet selbst ganz gut. Es nennt sich Adwords. Und bisher hat Google mir zwar immer ausgefeiltere Keywords angeboten oder regionalere Werbung, bestenfalls noch männlich weiblich und nach Altersgruppen sortiert, aber es hat mir noch nie gesagt, ach wissen se, fragen se mal den Herrn Meier aus dem siebten Stock in der Dingsbumsstraße ganz gezielt, der sucht genau das was sie anbieten und das schon seit 3 Wochen. Was ich damit sagen will. Die Daten die gesammelt werden, werden zwar ausgewertet, aber stellen Sie sich mal vor Google würde diese Daten offen weitergeben an potentielle Kunden. Würden Sie noch irgendwas über Google suchen? Google kennt, wenn er will, bereits heute extrem viele Firmeninterna, weil goggle-Textverarbeitung und Tabellenkalkulation kann und google Mail und google Kalender ziemlich gut funktionieren. Aber was macht er mit den Daten? Er bietet ihnen ne schmucklose Textzeile Werbung an. Dafür dass er all ihre Daten hosted, ist das ein vergleichbar günstiger Deal, denn ich weiß was man für einen eigenen Server zahlen muss. Sowohl Facebook als auch Google ist in eigenem Interesse viel daran gelegen, dass ihre Daten nicht persönlich weitergegeben werden. Selbst Adressen verkaufen diese beiden wohl eher nicht, wie gesagt, das machen die Telefonbuchverlage ja schon. Man wird bei Google in werberelevante Zielgruppen eingeteilt und diese Gruppen bekommen die Werbetreibenden angeboten. Würde Google diese Daten direkt weiter geben, würden sie sich doch jeglicher Existenzgrundlage berauben, also wieso sollten sie das tun?

Ich gehe fest davon aus, das Google und Facebook kein Interesse haben mit meinen Daten wirklich böses zu treiben. Denn das würde früher oder später ihr eigenes Ende bedeuten. Und weiter bleibt die Frage, wie aussagefähig meine Daten bei den Portalen wirklich sind. Ich komme wieder zu dem Punkt an dem ich sagen muss, der einzige der ein Interesse an einer kompletten personalisierten Auswertung meiner Daten haben könnte, wäre ein Staat. Also mein Staat sogar, die BRD. Denn die kann daraus schließen wieviel Krankenkassenkosten, Rentenkosten oder ähnliches auf sie zu kommen könnten z.B. Oder eben auch ob ich eine Gefahr für die Bürger in diesem Land bin oder für den Staatsapparat selbst. Ehrlich gesagt, fällt mir im Moment nicht mal was noch vernünftigeres ein warum der Papastaat oder von mir aus auch ein Privatunternehmen noch so ein immenses Interesse an meinen Daten haben sollte. Was ich damit sagen will, so eine Datenauswertung kostet unglaublich viel Geld, wenn sie wirklich intensiv gemacht werden muss. Fragen sie mal die Ermittlungsbehörden mit wie vielen Leuten die an einigen Top Terrorverdächtigen arbeiten. Und jetzt soll ich echt so überheblich sein und denken, dass Unternehmen oder der Staat diese Summen zahlen um meine Daten aus zu werten? Nun ja, ich befürchte eben wirklich, dass ich dazu nicht wichtig genug bin.

Das mag bei den meisten Bildzeitungslesern natürlich anders sein, die sind so betriebswichtig für unser Land, dass deren Daten natürlich deutlich interessanter sind in der Auswertung. Leider werden deren Daten selbst von mir fast perfekt aus zu werten sein, und das sogar ohne einen Blick auf ihr Facebookprofil geworfen zu haben, denn ich weiß wer Ihnen ihre Meinung bildet. Sicherlich hat Werbung, Medien und Staat systematisch an einer Verdummung der Massen gearbeitet in den letzten, mindestens zwanzig Jahren. Aber das Internet gibt den Leuten heute ja sogar wieder die Chance sich selbst aus ihrer eigenen Dummheit zu befreien. Sicherlich gibt es da weitere Fallen.
Zum Beispiel hat der normale Vollpfosten was dagegen wenn der Google ein Foto von seinem Haus macht. Aber mit der Webcam direkt aus dem eigenen Wohnzimmer spielt er dann abends Chatroulett oder World of Dingscraft oder ähnliches und jeder Mensch weltweit könnte theoretisch sehen in welch erbärmlichem Loch er sitzt. Da bin ich deutlich mehr für die Fotos von den Häusern.

Wirklich auswertbare Daten geben die meisten Leute nicht bei Facebook oder bei Google freiwillig her. Sondern bei Seiten wie Groupon oder Payback. Nur um 20 % auf irgendwas zu sparen oder um nach drei Jahren Punktesammeln einen goldenen Löffel zu bekommen. Dort wird jeder Einkauf mitgetrackt. Also theoretisch weiß der Payback sogar wann sie ihre Tage haben, nämlich immer dann wenn sie in der Drogerie Binden oder Tampons kaufen. Aber diese Daten geben die Leute gerne und freiwillig her. Man redet ernsthaft über die Einführung der „bargeldlosen“ kassen, Also alles was in ihrem Wagen liegt hat einen Chip, der seine Daten an die Kasse bucht und alles wird von ihrem Konto abgebucht. Oder man stellt sich vor dass der Kühlschrank selbsttätig die Milch nachbestellt wenn sie alle ist. Ihr Auto wird heute bereits mitgetrackt, wegen Diebstahlschutz, obwohl man ihnen damit natürlich auch jeden Umweg nachweisen könnte. Und bald kann Ihr Toaster die Erwärmung von Weißbrot verweigern, weil er die Daten von der Krankenkasse bekommt, die besagen Weißbrot ist nicht gut für Sie. Über all diese Dinge werden wir dann sagen, toll was für eine Hilfe und niemand wird sagen, ähm moment, ich will nicht dass meine Daten so weiter gegeben werden. Das sind für mich alles viel sensiblere Daten, als ein Daumen hoch bei Facebook. Manchmal versteh ich diese Diskussionen einfach wirklich nicht.

Meine Daten sind weitestgehend frei zugänglich. In Wahrheit glaube ich sogar, dass all diese Daten aus zu werten oft gar nicht möglich ist. Wir bräuchten sicherlich 5 Stasi ähnliche Organisationen um all die Daten im Netz wirklich aus zu werten und die Frage was es am Ende bringt wäre dann sicherlich auch noch nicht geklärt. Es ist wichtiger, denke ich , Zensur und Unterdrückung im Netz zu bekämpfen. Wo wären die Arabischen Revolutionen wenn Sich ihre Länder besser mit Internetzensur ausgekannt hätten und die „Anführer“ der Jasminrevolutionen systematisch aussortiert und abgeholt hätten? Genau, wir wären im Neofaschismus.

Es gibt ein Land, das sein Internet tatsächlich sehr großräumig überwacht und Daten auswertet. Das ist China. Vor solchen Modellen muss man mehr Angst haben, wie vor Datensammlern bei Facebook oder Google. Und man sollte insgesamt vorsichter sein mit der Abgabe der eigenen Daten. Vor allem der Datenströmen die wir alle bereitwillig abgeben nur weil wir damit Punkte, Herzen, oder Prozente sammeln können. Diese Daten sind gefährlicher als mein Facebook und mein Google+ Stream zusammen. Ich denke wer normal und auch im sonstigen Leben sorgsam mit seinen Daten umgeht, der kann bei Facebook soviele Katzenbilder oder „Gefällt mir“s posten wie er will. Allenfalls wird er dafür Werbung für Katzenfutter an der Seite ertragen müssen, viel Schlimmeres wird mit den Daten wohl eher nicht passieren.

29Jul/110

Commercial Break!

Heute gibt es nach langer Abwesenheit wenigstens mal wieder ein paar Spots. Alles nicht so ernst zu nehmen, aber vielleicht gerade deshalb wieder sehr gut. Und da Freitag ist, geb' ich sozusagen einen aus: Es dreht sich alles um Getränkespots. Viel Spaß damit!

Filed under: spots No Comments
7Jul/101

smartpad 1&1 Eins wie keins

Es gibt genug Häme und Spott über die Spots von 1&1 im Internet, da darf sich jeder gerne seine Lieblinge aussuchen. Ich bin etwas irritiert über die grundsätzliche Strategie von 1&1. Erst stellt sich der nette Mann vom Kundenservice hin und sagt, dass der DSL-Anbieter ja jetzt seine Kunden vollkommen ins Herz geschlossen hat und immer ein offenes Ohr für sie hat. Dann kommt sogar "Vertrag" plötzlich von "vertragen" und die neue Offenheit kommt einem so seltsam vor, dass man wirklich Zeit braucht, diesen Sinneswandel zu glauben. Sollte das Unternehmen auf einmal wirklich ohne Knebelverträge sein, mit schnellem Service und Produkten, welche für sich selbst genommen schon so gut sind, dass die Kunden von sich aus beim Anbieter bleiben? Kaum glaubt man das, schiebt der Riese aus Montabauer plötzlich diesen neuen Spot hinterher, in dem es um das Smartpad geht.
Zack, alles wieder hin, was sie vorher versucht haben, gut zu machen.
Hallo? Das sind die Mails mit den guten Ideen und Anregungen, die ihr täglich bekommt? :) Is klar, ihr bekommt täglich gerade mal eine Handvoll Mails? Ok, vielleicht mit guten Ideen oder wie? Also, das heißt, der Rest der Mails ist unglaublich großer Mist? Eventuell sogar von den größten Deppen der Welt, den Kunden, oder was?
OK, man muss ja nicht so hart darüber denken. Selbst wenn man darüber wegsieht, wird es jetzt nicht besser. Also mal angenommen: Ich gehe davon aus, dass er tatsächlich eine Handvoll Vorschlägen von Kunden hat, dann wird er ja jetzt wohl was vorlesen und sagen, dass 1&1 dieses und jenes so toll finden, dass sie es bald umsetzen.
Wieder daneben. :)

Also nochmal:
Das sind die Mails mit den guten Ideen, aber die interessieren uns nicht. Wir machen lieber ein Stück Technik, welches vorher schon niemand haben wollte, in ein neues Gehäuse, nennen es etwas anders und tun so, als wäre es genauso cool wie ein ähnliches Apple-Produkt. Also wirklich Leute, wenn das jetzt der große Wurf ist, mit dem ihr so an eure Kunden denkt, also dann weiß ich es auch nicht! Vielleicht ist das ehrlichste an dem Spot dann tatsächlich die Tatsache, dass 1&1 in dem Spot zugeben, dass sie einen Sch... auf ihre Kunden geben und schön weiter das machen, was sie sowieso wollen. Ob das ein gutes Produkt ist oder nicht, ist ihnen völlig egal. Ob das ganze jemand braucht oder nicht, auch egal. Hier nochmal der Spot zum Selbernachdenken:

Fast noch spannender ist die Kurzdoku zum Dreh des Spots mit Pepe Danquart. Daran sieht man mal wieder, dass selbst ein Oscar einen nicht vor Geldjobs bewahrt. :)

21May/100

Besonderer Erste Hilfe Kurs

Können Sie sich noch an den Erste Hilfe Kurs für Ihren Füherschein erinnern? Ich bin mir sicher, dass man alles viel leichter und einfacher behalten würde, wenn die Kurse beim Roten Kreuz immer so oder ähnlich aussehen würden.

Viel Spaß :)

2Dec/090

Preis für die beste weltweite Werbekampagne

Normalerweise lese ich "Kettenmails" oder alles weitergeleitete nicht mal. Vor ein paar Tagen war darin aber folgende Mail zu finden und ich weiß nicht mehr wirklich wieso, ich hab sie gelesen.

Artikel aus der mexikanischen Tageszeitung "La Jornada"
Mexikanische Gedanken zur Schweinegrippe

Pandemie der Profitg(e)ier

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Menschen an der Malaria, die ganz einfach durch ein Moskitonetz geschützt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Mädchen und Jungen an Durchfallerkrankungen, die mit einer isotonischen Salzlösung im Wert von ca. 25 Cent behandelt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Die Masern, Lungenentzündungen und andere, mit relativ preiswerten Impfstoffen heilbare Krankheiten rufen jedes Jahr bei fast 10 Mio. Menschen den Tod hervor. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Aber als vor einigen Jahren die famose "Vogelgrippe" ausbrach, überfluteten uns die globalen Informationssysteme mit Nachrichten. Mengen an Tinte wurden verbraucht und beängstigende Alarmsignale ausgegeben. Eine Epidemie, die gefährlichste von allen!

Eine Pandemie!

Die Rede von der schrecklichen Krankheit der Hühner ging um den Globus. Und trotz alledem, die Vogelgrippe hatte weltweit "nur" 250 Menschen zu beklagen. 250 Menschen in zehn Jahren, das ist ein Mittel von 25 Menschen pro Jahr. Die normale Grippe tötet jährlich weltweit ca. 500.000 Menschen. Eine halbe Million gegen 25 .

Einen Moment mal. Warum wird ein solcher Rummel um die Vogelgrippe veranstaltet?

Etwa weil es hinter diesen Hühnern einen "Hahn" gibt, einen Hahn mit gefährlichen Spornen.

Der transnationale Pharmariese Roche hat von seinem famosen Tamiflu zig Millionen Dosen alleine in den asiatischen Ländern verkauft. Obgleich Tamiflu von zweifelhafter Wirksamkeit ist, hat die britische Regierung 14 Mio. Dosen zur Vorsorge für die Bevölkerung gekauft. Die Vogelgrippe hat Roche und Relenza, den beiden Herstellern der
antiviralen Produkte milliardenschwere Gewinne eingespült.
Zuerst mit den Hühnern, jetzt mit den Schweinen. Ja, jetzt beginnt die Hysterie um die Schweinegrippe. Und alle Nachrichtensender der Erde reden nur noch davon. Jetzt redet
niemand mehr von der ökonomischen Krise, den sich wie Geschwüre ausbreitenden Kriegen oder den Gefolterten von Guantanamo.
Nur die Schweinegrippe, die Grippe der Schweine?

Und ich frage mich, wenn es hinter den Hühnern einen großen Hahn gab, gibt es hinter den Schweinen ein "großes Schwein"?

Was sagt ein Verantwortlicher der Roche dazu: "Wir sind sehr besorgt um diese Epidemie, soviel Leid, darum, werden wir das wundervolle Tamiflu zum Verkauf anbieten."

Und zu welchem Preis verkaufen sie das wunderbare Tamiflu?
OK, wir haben es gesehen. 50 US$ das Päckchen.
50 US$ für dieses Schächtelchen Tabletten?
Verstehen Sie doch, die Wunder werden teuer bezahlt. Das was ich verstehe ist, dass diese multinationalen Konzerne einen guten Gewinn mit dem Leid der Menschen machen.

Die nordamerikanische Firma Gilead Sciences hält das Patent für Tamiflu.

Der größte Aktionär dieser Firma ist niemand weniger als die verhängnisvolle Person, Donald Rumsfeld, der frühere Verteidigungsminister der US-Administration George W. Bushs, der Urheber des Irak-Krieges. Die Aktionäre von Roche und Relenza reiben sich die Hände, sie sind glücklich über die neuen Millionen-Gewinne mit dem zweifelhaften Tamiflu.

Die wirkliche Pandemie ist die Gier, die enormen Gewinne dieser "Gesundheitssöldner".

Wir sind nicht gegen die zu treffenden Vorbeugemaßnahmen der einzelnen Staaten.
Aber wenn die Schweinegrippe eine so schreckliche Pandemie ist, wie sie von den Medien angekündigt wurde, wenn die Weltgesundheitsorganisation so besorgt ist, um diese Krankheit, warum wird sie dann nicht zum Weltgesundheitsproblem erklärt und die Herstellung von Generika erlaubt, um sie zu bekämpfen? Das Aufheben der Patente von Roche und Relenza und die kostenlose Verteilung von Generika in allen Ländern, die sie benötigen, besonders in den ärmeren, wäre die beste Lösung.

Übermitteln Sie diese Nachricht nach allen Seiten, so wie es mit Impfstoffen gemacht wird, damit alle diese Seite der Realität dieser "Pandemie" erkennen.

Aus der mexikanischen Tageszeitung "La Jornada"

Der obige Text ist also nicht von mir. Sollte er allerdings der Wahrheit entsprechen müsste man den Strategen die hinter der Vogelgrippe und der Schweinegrippe und den noch kommenden Killerseuchen stehen eigentlich den Preis für die gelungenste Werbekampagne der Welt verleihen. Denn so viel Aufsehen schafft man heute wirklich mit nichts anderem. Das einzige was ich sehr problematisch sehe dabei ist natürlich die Tatsache, dass man dem der einmal Lügt nicht mehr glaubt. Ihr habt jetzt 2 mal Feuer gerufen, ohne dass es wirklich gebrannt hätte. Was erwartet ihr für den Fall das es wirklich mal zu einer Pandemie kommt?

Natürlich steh ich dem Artikel auch kritisch gegenüber und man könnte sagen, es sind nur so wenige an Vogelgrippe gestorben, weil so beherzt eingegriffen wurde. Das ist aber nachweislich Quatsch. Und für die Schweinegrippe gilt das schon gar nicht mehr. Die Schweinegrippeimpfungen kommen doch weitestgehend sowieso viel zu spät. Ein Impfschutz muss ja vorher bestehen, nicht erst wenn die Krankheit schon da ist.  Tamiflu istnatürlich kein Impfstoff, das ist schon klar, sonden hilft die ausgebrochene Krankheit zu heilen. Trotzdem finde ich die Vorgehensweisen der Medien in dem Umgang mit der Schweinegrippe sehr sonderbar. Als es die erste Tote an Schweinegrippe in Deutschland gab, schien es mir fast so, als haben man da sehnsüchtig drauf gewartet. Das die Dame, insgesamt sehr , nenen wir es mal ungesund war und mit ziemlich hoher wahrscheinlichkeit in Ihrem Zustand auch an einem völlig normalen Grippevirus gestorben wäre,  haben nur die allerwenigsten gemeldet. Und wenn dann nur als Nebensatz um ja keine Panik zu schühren.

Es sollte allgemein bekannt sein, was man damit bewirkt, wenn man unter keinen Umständen über etwas reden will, oder wenn man unter keinen Umständen Panik verbreiten will. Man tut es nur um so stärker.

Passend zum Artikel der Mexikaner kam dann letzte Woche, in Wiederholung auf Arte endlich auch mal ein Film, der ähnliche Fragen stellte. Natürlich nur im Kunst und Spartenprogramm arte, aber immerhin.

Roch und die ganze Pharmaindustrie haben in meinen Augen auf alle Fälle einen grandiosen Werbeerfolg zu feiern mit  Vogel und Schweinegrippe. Jetzt nehmt die verdiente Kohle und steckt sie in Malariamittel, z.B.

21Oct/090

Fehler oder doch kalkulierter Affront?

Mir kam da gestern in der S-Bahn ein erschreckender Gedanke, als ich die Wolfstatzen von JW an ihren Kunden sah.

Eventuell unterstelle ich damit auch den Marketingverantwortlichen bei JW zuviel Kreativität, aber kann es sein, dass die ganze Aufregung sehr wohl gewollt und teilweise auch kalkulliert war?

Es kann in einen Unternehmen nur einen Grund geben, wenn man etwas, was so offensichtlich aus dem Ruder läuft, wie es die vielen Reaktionen im Netz zeigen,  einfach nicht zurück nehmen will. (Ok, vielleicht zwei Gründe, aber das die interne Bürokratie zu lange dauert, lasse ich jetzt erstmal weg)

Das Ganze ist durchaus gewollt und volle Absicht!

Wenn man Dawanda mit Jack Wolfskin vergleicht, dann findet man doch zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen, oder? Dawanda Käufer sind nicht unbedingt die klassischen JW Kunden. Und umgekehrt genauso. Die Leute die ich gestern mit den Tatzen auf den Jacken und Mützen gesehen habe, die kennen Dawanda nicht mal, da bin ich mir sehr sicher.

Weitere Spekulation, so was schärft natürlich die Kanten einer Marke. Wenn der Wolf auch mal beißt. Wer auf der JW Seite steht, weil er die Klamotten eben toll findet, der kann sich doch nur sagen, dass es richtig ist, was JW gegen die Tatzenfälschermafia macht. Und wenn man Dawandauser vergrault, na ja, da ist nicht viel verloren an den Bastlern und Fricklern, oder?  Zumindest könnte es aus Sicht des Wolfes so sein.

Es ist so ein wenig das selbe Prinzip, wie bei  der leidigen Diskussion ums Stoppschild vor den Kinderpornoseiten. Der erste Aufschrei aus der Stoppschildfraktion auf die Reaktion im Netz war immer, der, dass man aber doch auf jeden Fall was gegen Kinderpornos tun muss und wer gegen ein Stoppschild ist, der ist für die Kinderpornos, oder was?

Was ich damit sagen will, es gibt Dinge, die immer wieder gerne benutzt werden um Stimmungen zu machen und zu schüren.  Eine Schlagzeile nach dem Motto: "Jack Wolfskin geht rechtlich gegen Markenfälscher vor", wäre ja auch eine klare Aussage für JW gewesen. Wenn es nicht Markenfälscher, sonder Hobbybastler heißt sieht es zwar leicht anders aus, aber für Hardcorekunden ist das im Kern kaum ein Unterschied.  Wer JW nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte, oder verfälschte  JW in den Umlauf bringt wird mit Abmahnung  nicht unter 800 EUR bestraft. Das ist immer noch eine klare Botschaft an die bestehenden Kunden.  Seht her, wir schützen unsere Marke und eure "Individualität", wenn man die bei einer Massenmarke noch so nennen kann. Aber am Ende geht ja jeder Kunde davon aus, dass er selbst sowieso die schönste Jacke hat und nicht nur einer von vielen tausend Jackenträgern ist. Und selbst wenn ihm das noch bewußt ist, so stärkt das " sich kümmern" von JW auch ein gewisses Group-In-Gefühl.   So eine Sache kann in einer Berichterstattung also auch als Stärke ausgelegt werden vom Kunden, gerade wenn die angesprochenen Kundenschichten doch eher unterschiedlich sind, wie es Dawanda und JW Kunden wohl sind.

Was mich bestärkt hat in dieser Überlegung, war dass ich beim Werbeblogger gelesen habe, dass man bei Dawanda  bereits seit einigen Wochen  die Situation zu entschärfen versucht und jetzt selbst etwas überrascht war, als trotzdem Dawandahändler abgemahnt wurden. Interview mit Dawanda Chefin bei Werbeblogger.de

Auch das deutet doch darauf hin, dass man sich gar nicht gütlich einigen wollte, weil man bereits andere Ziele hatte, oder?  Kann man also die Zielgruppen der beiden, Dawanda und Jack Wolfskin,  so deutlich trennen, dass diese Aktion auch kalkuliert gewesen sein könnte? Immerhin darf man nicht vergessen welche Welle losgetreten wurde, auch wenn ich davon ausgehe, dass man sich das nicht in der Dimension vorstellen konnte.

Peinlich ist natürlich auch, dass es scheinbar gerade unter den Outdoor Menschen den Hang zum selberbasteln gibt und somit die Solidarität mit Dawanda größer zu sein scheint, als man sich das bei JW vielleicht dachte.  Kann man auch nicht drauf kommen, wenn man Jacken und ähnliches herstellt, dass diese Outdoorleute wirklich ganz prima sind im improvisieren und selbermachen. Wozu würden sie sonst JW Jacken benötigen? Wenn man kalt hat, kann man sich ja als Selberbastler ein Schaf schlachten, oder so.  Ach, Mist ich wollte doch nicht sarkastisch werden! Verzeihung!

Ist nur ein weiteres Gedankenspiel in der ganzen Geschichte. Im Sinne von Vodafone vielleicht, wo man wohl meinte dass einen 500 Blogger nicht stören, wenn man Produkte für 40 Millionen Menschen macht.

Ich vertrete immer noch die Meinung, dass jedes Unternehmen froh sein sollte, wenn jemand anderes Ihre Logos nachmacht und verfälscht. Denn ich halte das für so was wie Fanwear, bzw. eine Hommage ans Orginal und indirekte Werbung. So viel über den Dingen stehen muss man aber erstmal können. Auch viele Possenreißer und Hofnarren wurden geköpft,obwohl sie offiziel die einzigen mit Erlaubnis waren, dem König die Warheit, nur eben lustig verpackt, zu sagen. Aber echte Größe zeigen nur diejenigen, welche über sich selbst lachen können und über diesen Dingen stehen. Gerade wenn es um klein und kleinst Mengen geht und im vorliegenden Fall immer noch nicht klar ist was Katzenpfoten mit Wolfstatzen jetzt wirklich zu tun haben.

24Sep/090

Entschuldigung!

Liebe Leser dieses kleinen, leider noch sehr bescheidenen Blogs.  Ich möchte mich entschuldigen, dafür, dass es hier seit Monaten nicht mehr weiter geht. Ich hab da ein paar Zeitprobleme und das hier soll und will ja nur ein Hobby sein.

Kurze Information zum letzten "Versuch", neuen Stoff zu sammeln für diesen Blog.

Ich hatte mir vorgenommen alles fein säuberlich  zu sammeln was mir so über den Zeitraum von vier Wochen in den Briefkasten gestopft wird.  Also alles abgesehen von der Post natürlich. :)

Leider war der Zeitpunkt nicht besonders gut gewählt. Denn egal wie, vor den Wahlen wäre das ganze einfach nicht repräsentativ.

Mich stört da oft die Materialschlacht. Vorallem sogar die  eher kleinen Zettel.  Ich werfe das ganze Zeug in der Regel weg.  So wie mindestens 95% aller Empfänger. (Eventuell sogar noch deutlich mehr. Bei Blindmailings lag die Erfolgsquote lange Zeit mal im Promillebereich, heißt also von tausend Zetteln führt einer bis zwei zum Erfolg.  Genaue aktuelle Zahlen kenne ich grade nicht. )

Das Problem dabei ist, dass mit dieser Quote trotzdem noch so viel "Gewinn" gemacht wird, dass sich der Rest lohnt. Theoretisch ja ein Argument für die Effektivität dieser Werbung.

Ich kann mir aber nicht helfen, aus ökologischer Sicht, gehört so was verboten. Unzählige Bäume müssen dafür ihr Leben lassen, Drucker müssen an Schwermetalvergiftung sterben und so weiter. Gut fürs Klima ist das sicher auch nicht. Und von den vielen Botschaften, wen und was ich da alles beachten soll noch garnicht gesprochen.

Ich könnte ständig mein nicht vorhandenes Auto verkaufen und meine nicht kaputte Waschmaschine oder Kühlschrank entsorgen. Außerdem hab ich das Gefühl meine Hausverwaltung könnte mich los werden wollen, denn ich hab jede Woche mindestens 5 Zettel im Briefkasten die mir beim Umzug helfen wollen. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Aber eins ist sicher. Der ganze Zettelkram hat mich bisher schon so genervt, dass ich auch in dem Fall, das ich einen von diesen Diensten jemals brauche, sicher keinen von den Zettelwerbern nehmen werde. Also aus Werbesicht ein Schuß ins Knie.  Ich denke es wird einigen so gehen, auch wenn mir schon klar ist, dass wohl immer noch genug Leute, denen gerade die Waschmaschine kaputt ging oder ähnliches "froh" sind über die Zettelwirtschaft.

Weiter geht es mit den Werbeblättern der Supermärkte. Die lese ich wiederum, denn man muss ja wissen wo man noch ein paar cent sparen kann beim EK. Umgerechnet ist das zwar meist auch völliger Irrsinn, wegen 3 bis 5 Cent pro Irgendwas ne halbe Stunde länger, bis zu nem anderen laden und wieder zurück zu gehen. Meist ist der Spareffekt schon wieder weg, wenn man in dem Laden noch etwas zusätzlich findet, was man gar nicht gesucht hat. Aber ok, das ist klassische Werbung und ja durchaus noch sehr verständlich. Ich würde sogar fast behaupten wollen, das diese Schweinebauchanzeigeblätter, den Takt in unserem Land vorgeben. Sie bestimmen, wann Herbst ist, nämlich wenn der Laubsauger, oder Laubbläser im Angebot ist. Sie legen fest, wann man Schulsachen kauft, auch wenn die das ganze jahr über womöglich viel billiger im Regal liegen. Und Sie bestimmen ab wann geweihnachtet wird. Darüber hinaus legen Sie alle Hobbys und ihre Zeit fest, vom Reiten bis zum Golfen mittlerweile, vom Angeln bis zum Malen. Alles hat jedes Jahr seine Woche. So wie bis heute jeder weiß das es zweimal im Jahr bei Aldi Rechner gibt. Obwohl ich mittlerweile das Gefühl habe da stehen immer welche rum wenn ich da reinkomme. Das schöne bei diesen Anzeigeblättern funktioniert der "Keine Werbung" Aufkleber auf dem Briefkasten meist sogar weitestgehend. Also wenn ich was für die Umwelt tun wollte könnte ich das mit einem Aufkleber lösen.  Die kleinzettler halten sich da aber eben sowieso nicht dran.

Aus der Sicht einer Werbeagentur sind solche Anzeigenblätter womöglich noch eine Art Cashcow, denn die kann der Printpraktikant setzen und man kann den Unternehmen jede Woche ne Rechnung schreiben. Es ist keine Schöne Arbeit in der Katalogproduktion, aber es sichert das verdammt schicke Büro. Gegen diese kleinen Zettel aber, sollten selbst die Werbeleute was haben.

Sie tragen deutlich zu einer Reizüberflutung ihrer so begehrten Kunden bei. Wenn sie kein 5 Kilo Probepäckchen des neuen Waschmittels mehr mit beilegen, gehen auch sie in so einem Breifkasten einfach unter.  Also muss man sich immer neuere und teurere eigenen Ideen einfallen lassen, die auch nicht unbedingt ökologisch sinnvoller sind.

Ein haptisches Erlebnis muss eben her.

Alternative ist nur, die Finger komplett weg zu lassen vom Briefkasten. Das haben ja viele Unternehmen auch längst getan. Leider aber nicht die Zettelfreaks. Und somit machen Sie den "Markt" für die großen Unternehmen dauerhaft kaputt. Was bleibt sind überfrachtete potentielle Kunden, die der Werbetreibende jetzt an anderer Stelle penetrieren muss. Und tut er es, so macht der Möchtegernkunde immer mehr zu. Ein Teufelskreis.

Nach dem großen Motto, gebt dem Kunden wieder Luft zum Atmen, damit er eure Perlen auch erkennen kann, sollte sich die Werbeindustrie einfach mal für ein halbes Jahr komplett zurück ziehen. :) Einfach mal garnichts machen, alle gemeinsam und die Kunden werden euch anschließend wieder an den Lippen, Bildschirmen und Anzeigen kleben. Nur so ne Idee.

Der ähnliche Effekt wie beim Briefkasten setzt bei mir auch in der Fußgängerzone ein. Ich kann kaum über den Alexanderplatz laufen ohne von mindestens 2  NGOs, 3  Zeitungen und auch noch dem ein oder anderen religiösen "Spinner" oder auch Telefonvertragsdrückerbanden angesprochen zu werden. Bis ich am Bahnhof bin, muss ich schon dreimal die Welt gerettet haben, die Printindustrie und die Journalisten gerettet haben und nebenbei auch noch zu Gott, oder wem auch immer gefunden haben und sämtliche Berliner Obdachlose und die rumänischen "Speakenglishsch" aus dem Elend geholt haben. Dabei wär ich oft schon froh wenn ich einfach nur in ne S-Bahn steigen könnte.

Ist es, als Unternehmen, wirklich so klug, ein Heer von völlig verzweifelten Praktikanten und Studenten dazu zu verpflichten in Drückermethoden, wie Bettler und Obdachlose, neue Abschlüsse zu liefern?

Ich hab für den Alexanderplatz beschloßen mich definitiv nur noch von Punks anschnorren zu lassen, nicht von weltweit agierenden Unternehmen, wie dem WWF, oder auch nur den Maltesern z.B. Auch werd ich mir sicher kein Zeitungsabo anschaffen nur weil mir ein Student am Bein hängt bis in den Bahnhof und jammert, das er seine nicht vorhandenen Familie nicht ernähren kann.

Unternehmen die solche Methoden für sinnvoll halten, weil ja schließlich die Zahl der Abschlüße überzeugen, wenn die Drücker überleben wollen, sollten sich ihrer Sozialen Verantwortung bewußt werden. Und zwar nicht nur die Verantwortung,  gegenüber von Tieren, Kindern, Umwelt, Zeitungen, oder Telefonverträgen, oder gar des Weltfriedens.

Sondern vielleicht auch mal die Verantwortung gegenüber dieser armen Geschöpfe die da tagtäglich auf der Straße rumlungern müssen, in eurem Namen. Den "Besten" ein dauerhaftes Praktikum zu versprechen ist da echt zu wenig, finde ich.  Die Methoden schaden eurem Image mehr als sie nützen auf Dauer. Nicht nur das ihr die Leute ausnutzt. Ihr macht auch den MArkt für die Leute die wirklich auf die Spenden angewiesen sind, wie eben z.B. die Obdachlosen und Drogenabhängigen kaputt. Dann könntet ihr die eigentlich konsequenterweise gleich vor den Bus schubsen. Kommt aber glaube ich auch nicht so gut an für eine Tierschutz, Mesnchenschutz, oder Umweltschutz organisation.

Es beginnt definitiv gerade zu kippen. Ihr macht schon euer sauer aufgebautes Image mit diesen Methoden kaputt. Schnell drüber nachdenken,  während eure Controller noch behaupten alles bestens, jeden Tag mehr Abschlüsse. Aber zu welchem Preis?

Zurück zu meinem Versuch die Werbung aus dem Briefkasten zu sortieren und zu sichten, wie es als Spotter meine Aufgabe ist.Ich werde dasin nächster Zeit erneut versuchen. Es sollte im Oktobereher repräsentativ sein,als jetzt vor den Wahlen.

Apropo Wahlen. Wäre auch ein schönes Thema gewesen. Leider schaff ich das nicht mehr. Ich wollte eigentlich durch die Stadt fahren und auch hier nochmal Fotos von allen Werbeplakaten aller Parteien machen. Sollte jemand wissen wo man die Motive bekommt. Natürlich bei den jeweiligen Parteien, schon klar. Teilweise sogar im Internet zum Download. Da ich aber faul bin suche ich natürlich jemanden, der wirklich alle Motive des Wahlkampfs gesammelt hat. Denn die Motive und Aussagen haben sich ja geändert im Laufe des Wahlkampfs. Ist euch gar nicht aufgefallen? Stimmt war auch schwierig. Aber war so. Wer also alle Parteiwahlwerbung gesammelt hat, sagt mir bitte Bescheid. Da wollte ich noch was schönes drauss machen. :)

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