Werbespotter Werbung sehen, verstehen und sezieren :)

18Nov/11Off

Benetton schafft es immer wieder.

Unhate Benetton Palestine IsraelDie Kampagne ist fast schon 3 Tage alt und erst jetzt habe ich sie bemerkt. Jetzt, als die ersten Meldungen durch die Presse gingen, dass Benetton sich dazu entschlossen hat, eines der Motive,  das Motiv mit dem Papst und dem Iman, wieder zurückzu ziehen.  Schließlich wollen sie die Liebe in der Welt fördern und niemanden, schon gar nicht die gläubigen Christen und Ihre Gefühle, verletzen.

Ich denke, damit tut der Vatikan genau das, was Benetton von ihm erwartet hat.  Spannend finde ich auch, dass der Sprecher des Vatikans natürlich nur sagt, dass es respektslos gegenüber dem Papst sei. Vom Iman sagt er nix. Und Überhaupt, sind wir es nicht geewohnt, dass Muslime sich verunglimpft fühlen? Haben wir nicht von den Medien immer die Bilder in den Kopf gehämmert bekommen, dass bei der kleinsten Kränkung DIE Muslime (also immer gleich alle Muslime, statt derjenigen, die im Bild gezeigt werden und denen man vorher die Fahnen zugesteckt hat) alles mögliche verbrennen, bevorzugt eben FahnenUnhate Benetton Germany France oder Karikaturen aus dem jeweiligen Verfasserland? Nun gut, vielleicht kommt der Sturm der Entrüstung ja noch oder vielleicht sind die Muslime da tatsächlich auch mal entspannter als die Christen, das wär ja auch mal spannend.

Benetton hat jedenfalls wieder einmal sehr vieles richtig gemacht.
Den Vatikan in eine Situation zu bringen, in der er etwas gegen eine Kampagne haben muss, die als selbst erklärtes Ziel die Vermehrung der Liebe in der Welt hat, ist schon die ganz große Kunst.

Die Kampagnen von Benetton waren  schon immer  auf  "Krawall" gebürstet mit ihren verstörenden Plakaten.  Regelrechte Ikonen der Werbung sind daraus geworden: die ölüberzogene Ente, Einschusslöcher in der blutverschmierten Kleidung eines bosnischen Soldaten, als HIV-positiv abgestempelte Körper, eine schwarze Mutter, die ein weißes Baby säugt, oder eine weiße Stute, die von einem dunklen Hengst gedeckt wird. Meist sogar äußerst ästhetische Fotos, aber eben sehr viele Motive, die es ohne Benetton niemals in die Werbung geschafft hätten. Die Themen sind allenfalls als Meldung in den Nachrichten untergegangen.  Aber durch den Kleiderfabrikanten wurden sie überall plakatiert und brannten sich in ein kollektives Gedächtnis ein. Vielleicht hat diese zweckentfremdete Werbung sogar mehr Bewußtsein für die jeweils gezeigten Dinge geschaffen, wie es teure staatliche Kampagnen hätten tun können.

Auch was die Kirche angeht, gabe es bereits ein provokantes, aber sehr ästhetisches Motiv, auf dem sich eine Nonne und ein Priester leidenschaftlich küssen. Christen, speziell Katholiken und der Vatikan,  scheinen also ein Problem mit dem Küssen zu haben, also zumindest, wenn Benetton es inszeniert.  Aber gerade mit den gezielt gesetzen Aufregern schafft man es eben auch in die Nachrichten und muss die ganze PR nicht mal bezahlen. (Selbst ich bekomme für diesen Blogbeitrag mal wieder nichts!)  Über die Vermischung von solchen Meldungen mit dem echten Nachrichtengeschehen, wenn man von Google-Plänen  und Appel-Klagen oder auch Opel-Werksschließungen oder ähnlichem berichtet, und somit Werbung, Wirtschafsnachrichten und allgemeine Nachrichten auf teilweise seltsamste Weise im Journalismus miteinander verknüpft, möchte ich jetzt nicht weiter eingehen.  Das könnte irgendwann einen eigenen  Beitrag wert sein.

BruderkussKüssen, wenn es groß gemalt und plakatiert wird, scheint ein Aufreger zu sein und zu bleiben. Zumindest sorgt es oft für Aufregung. Auch ein sehr bekannter Kuss ist der, der hier an die Mauer gesprüht zu einer Art Ikone wurde.

Wie der Text unter dem sozialistischen Bruderkuss aber beweist, war es bei den beiden ja wohl keine wirkliche Liebe.  Und bei den Benettonmotiven?

Nun ja, die Motive sind natürlich sehr ähnlich gewählt, so dass wahre Liebe unter den entsprechenden Personen wohl eher nicht herrscht. Es handelt sich in der Kampagne offiziel um Fotomontagen, wobei ich teilweise denke, der ein oder andere Kuss könnte auf irgendwelchen offiziellen Anlässen fast wirklich so entstanden sein.  Bei Merkel und Sarkozy ist die Liebe sicherlich auch näher, als z.B. zwischen Nord- und Südkorea oder Israel und Palästina.

Unhate Benetton NorthKorea SouthKoreaAber wäre es nicht schön, wenn sich all' die gezeigten Leute in genau diesen Konstellationen öfter mal in den Arm nehmen würden und leidenschalftich drauflosküssten?  Ok, ok,  sie müssen sich ja nicht gleich küssen, aber in den Arm nehmen und gemeinsam eine angenehme Zeit miteinander verbringen und mal wieder wie normale Menschen miteinander reden?  Das wäre sicherlich schon mal ein Anfang. Und so lässt mich, kurz vor Weihnachten, Benetton mal wieder träumen von einem perfekten Fest der Liebe. Gäbe es eine Skala, an der man den Grad der Perfektion einer Kampagne ablesen kann, würde ich hier gerne 100 Punkte vergeben. Auch hier bleibt es eine hohe Kunst, mir all diese teilweise sehr unsympathischen und älteren Menschen so in einer Werbung zu zeigen, dass man nicht per se angewidert ausspuckt. Denn Küssen sieht in jungen Jahren auch immer besser aus.  Zumindest auf den Fotos, die einem die Werbung sonst so zeigt.

Unhate Benetton USA VenezuelaBleibt die Frage, wie es mit dem aussieht, um was es eigentlich in der Kampagne geht, nämlich Pullover zu verkaufen. Ob es dort genauso funktioniert, war bei Benetton von je her die Frage. Ich glaube sogar, dass der Chef von Benetton einmal gesagt hat, dass es letztendlich ab einer bestimmten Bekanntheit und Firmengröße ziemlich egal sei, ob sie Werbung machten oder nicht. Und auch was dieWerbung zeigt sei dann egal und daher möchte er eben, dass da Dinge gezeigt werden, die er für wichtig hält.  Indirekt hat er damit auch dem eigenen Pulloververkauf eher genutzt als geschadet. Denn die Marke wurde dadurch sicherlich immer bekannter.

Unhate banned Pope Iman

Alle Motive der Kampagne und alles weitere gibt es auf den Seiten von Benetton. Und weil Benetton  jetzt das Plakat mit dem Papst  zurück zieht, ist es natürlich um so erfreulicher, dass man im Internet eigentlich nix mehr zurück ziehen kann.  Das Papst-Iman Foto findet sich zum Glück überall im Internet, z.B. hier: http://deadcatbounce.blogsport.de/2011/11/17/liebe-statt-hass/ Oder man bemüht die Bildersuche von Google mit den Suchworten: Benetton, Unhat und Papst z.B.  Die Kampagne hat auch ein Video. Und in dem spielen keine Promis die Hauptrolle.  Aber seht selbst.

 

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