Werbespotter Werbung sehen, verstehen und sezieren :)

17Feb/13Off

Werbung ist teuer und nutzlos, zumindest die meiste davon.

Ein sehr guter Artikel ist mir über den Weg im Web gelaufen, den ich hier gerne weiter empfehlen möchte. Eventuell werfen Sie als Werbekunde gut 80% ihres Geldes zum Fenster hinaus und nicht nur die sonst immer angenommenen 50% bei denen sie angeblich nicht wissen welche 50% das sind. Die Logik des Artikels und die Folgerungen sind für mich absolut schlüssig. Ich denke eh mittlerweile das in vielen Bereichen Werbung und Marketing nur noch existieren, weil viele Unternehmen nicht mehr wissen wohin mit dem verdienten Geld ihrer Kunden und  nicht weil sie sich irgendeine Werbewirkung oder gar noch mehr zahlende Kunden wünschen.

Ich würde z. B. sagen das Unternehmen in einer Branche wie der Mobilfunkindustrie eigentlich komplett auf große Teile ihrer Werbung verzichten könnten. Was bringt der Wettlauf um den Kunden, wenn es eh nur die 4 Anbieter gibt und die Bedingungen bei allen ähnlich sind? Was sie an Neukunden auf der einen Seite gewinnen, verlieren sie an Bestandskunden auf der anderen Seite, aber die einzelnen Teile des Kuchens namens Markt bleiben meist ziemlich gleich verteilt. Davon hat niemand was. Die Werbekunden haben aber Angst zu sagen, sie verzichten komplett auf den Werbezirkus und konzentrieren sich vielleicht auf eine völlig andere Sache, auf ihre eigenen Kunden. Wenn 4 Unternehmen das gleiche Produkt mit den gleichen Mitteln anbieten kann ich mich nur noch von der Konkurrenz abheben in dem ich meinem Produkt einen neuen Vorteil verschaffe, es also deutlich verbessere. Und ich glaube das ist auch das einzige was wieder Kuchenteile vergrößert. Ich sehe daher im Moment den Kuchenanteil von E-Plus schrumpfen und den von O2 steigen.

O2 hat am Netz gearbeitet, weil sie vor 2 Jahren bei Tests schlecht abgeschnitten haben, während E-Plus immer mehr und immer neue Produkte in unterschiedliche Tüten packt. Aber überall ist das selbe drin, ob jetzt E-plus, base, simyo, oder Lidl draufsteht. Aber alle neuen Tüten werden über das eine eigene  Netz gejagd, was dazu führt das man seltener durchkommt, oder auch mal den Anschluß verliert während des Gespräches. Die Qualität des einzelnen Produktes sinkt also.

Angenommen eines dieser Unternehmen würde von heute auf morgen auf Werbung verzichten, zumindest auf die großen Imagekampagnen und ähnliches, was natürlich kein Unternehmen tun wird, weil sie viel zu viel Angst vor der Konkurrenz haben, die dann übermächtig werden könnte. Aber mal angenommen sie würden es tun und das freie Kapital nehmen und komplett in Mitarbeiter, bessere Kundenbetreuung, bessere Technik, sauberen Netzausbau investieren. Wäre das nicht genau das richtige Argument für neue Kunden? Und würde sich das nicht viral, also von Kunde zu Nachbar und Freunden gerade über Socialmedia von ganz alleine herum sprechen?
Ich glaube die Werbung wie wir sie kannten wird in wenigen Jahrzehnten komplett verschwunden sein. Sie hat uns lange Jahre beeinflußt, aber auch das Leben gelehrt. Heute wissen alle wie man andere beeinflußt und eventuell auch manipuliert. Jeder hat heute ein eigenes Image und das pflegt er, ganz egal ob Weltkonzern, Musikstar oder Privatperson.  Aber die Werbung wie wir sie bis in die Nullerjahre kannten wird sterben und vielleicht wird sie in einer Welt in der alles für alle und jederzeit digital zugänglich ist nicht mehr aussehen wie ein HIER KAUF MICH, DENN ICH BIN GUT FÜR DICH. Vielleicht wird sie eher ein Filter sein, so wie es das jetzt schon bei google oder facebook passiert. Werbung wird die Aufgabe bekommen, genau das Gegenteil von ihrem bisherigen Job zu machen.  Sie wird den Konsumenten versuchen frei zu halten von den unzähligen Einflüssen, auch der Konkurrenz die auf ihre Kunden so einprasseln. Erst dann können die eigentlichen Marken die vertreten werden durch die Werbung noch tiefer in den Alltag der Kunden sickern und  können zu echten Familienmitgliedern werden. Das iphone war vielleicht nur das erste neue Familienmitglied, aber das werden viele jetzt werden wollen und sie werden es wohl nur durch die Umkehrung ihres bisherigen Konzeptes erreichen in einer Welt die sich sozial enger vernetzt hat. Wo sie in einem sozialen Netz sind, wird es nur noch darum gehen sich gegen das Umfeld ab zu schirmen und seinen Mitgliedern, Kunden, die gleichzeitig auch die eigenen Werbeproduzenten sind und Informationslieferanten, den Rücken frei zu halten. Das werden die Madiaagenturen und Werbefirmen in Zukunft tun. Wer jetzt fragt vor was abschirmen wenn die Werbung selbst aufhört zu senden, der kennt die digitale Welt aber noch schlecht. Vor Blogs wie diesem, vor dem was die Kunden und ihre Familien, ihre Freundeskreise und und und selbst senden werden. Das Senden wird zunehmen über alle Kanäle, aber die Aufnahme der Informationen durch den Empfänger funktioniert heute ja schon nicht mehr. Und die Werbung wird in meinen Augen irgendwann versuchen seine Empfänger vor den übermässigen Sendern ab zu halten. Es wird die Funktion einer VIP-Loung bekommen. Ein geschützter bereich in dem die Menschen noch unter sich sein können. Unter sich und abgeschirmt von Ihrem Werbepartner. Schöne neue Werbewelt.

Den Blog zum Artikel habe ich in die Linkliste aufgenommen, mir gefällt sehr gut was der Mann so schreibt.

Und hier ist der besagte Artikel:  Sie geben zu viel für Werbung aus!

Viel Spaß beim Artikel selbst.

21Okt/09Off

Fehler oder doch kalkulierter Affront?

Mir kam da gestern in der S-Bahn ein erschreckender Gedanke, als ich die Wolfstatzen von JW an ihren Kunden sah.

Eventuell unterstelle ich damit auch den Marketingverantwortlichen bei JW zuviel Kreativität, aber kann es sein, dass die ganze Aufregung sehr wohl gewollt und teilweise auch kalkulliert war?

Es kann in einen Unternehmen nur einen Grund geben, wenn man etwas, was so offensichtlich aus dem Ruder läuft, wie es die vielen Reaktionen im Netz zeigen,  einfach nicht zurück nehmen will. (Ok, vielleicht zwei Gründe, aber das die interne Bürokratie zu lange dauert, lasse ich jetzt erstmal weg)

Das Ganze ist durchaus gewollt und volle Absicht!

Wenn man Dawanda mit Jack Wolfskin vergleicht, dann findet man doch zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen, oder? Dawanda Käufer sind nicht unbedingt die klassischen JW Kunden. Und umgekehrt genauso. Die Leute die ich gestern mit den Tatzen auf den Jacken und Mützen gesehen habe, die kennen Dawanda nicht mal, da bin ich mir sehr sicher.

Weitere Spekulation, so was schärft natürlich die Kanten einer Marke. Wenn der Wolf auch mal beißt. Wer auf der JW Seite steht, weil er die Klamotten eben toll findet, der kann sich doch nur sagen, dass es richtig ist, was JW gegen die Tatzenfälschermafia macht. Und wenn man Dawandauser vergrault, na ja, da ist nicht viel verloren an den Bastlern und Fricklern, oder?  Zumindest könnte es aus Sicht des Wolfes so sein.

Es ist so ein wenig das selbe Prinzip, wie bei  der leidigen Diskussion ums Stoppschild vor den Kinderpornoseiten. Der erste Aufschrei aus der Stoppschildfraktion auf die Reaktion im Netz war immer, der, dass man aber doch auf jeden Fall was gegen Kinderpornos tun muss und wer gegen ein Stoppschild ist, der ist für die Kinderpornos, oder was?

Was ich damit sagen will, es gibt Dinge, die immer wieder gerne benutzt werden um Stimmungen zu machen und zu schüren.  Eine Schlagzeile nach dem Motto: "Jack Wolfskin geht rechtlich gegen Markenfälscher vor", wäre ja auch eine klare Aussage für JW gewesen. Wenn es nicht Markenfälscher, sonder Hobbybastler heißt sieht es zwar leicht anders aus, aber für Hardcorekunden ist das im Kern kaum ein Unterschied.  Wer JW nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte, oder verfälschte  JW in den Umlauf bringt wird mit Abmahnung  nicht unter 800 EUR bestraft. Das ist immer noch eine klare Botschaft an die bestehenden Kunden.  Seht her, wir schützen unsere Marke und eure "Individualität", wenn man die bei einer Massenmarke noch so nennen kann. Aber am Ende geht ja jeder Kunde davon aus, dass er selbst sowieso die schönste Jacke hat und nicht nur einer von vielen tausend Jackenträgern ist. Und selbst wenn ihm das noch bewußt ist, so stärkt das " sich kümmern" von JW auch ein gewisses Group-In-Gefühl.   So eine Sache kann in einer Berichterstattung also auch als Stärke ausgelegt werden vom Kunden, gerade wenn die angesprochenen Kundenschichten doch eher unterschiedlich sind, wie es Dawanda und JW Kunden wohl sind.

Was mich bestärkt hat in dieser Überlegung, war dass ich beim Werbeblogger gelesen habe, dass man bei Dawanda  bereits seit einigen Wochen  die Situation zu entschärfen versucht und jetzt selbst etwas überrascht war, als trotzdem Dawandahändler abgemahnt wurden. Interview mit Dawanda Chefin bei Werbeblogger.de

Auch das deutet doch darauf hin, dass man sich gar nicht gütlich einigen wollte, weil man bereits andere Ziele hatte, oder?  Kann man also die Zielgruppen der beiden, Dawanda und Jack Wolfskin,  so deutlich trennen, dass diese Aktion auch kalkuliert gewesen sein könnte? Immerhin darf man nicht vergessen welche Welle losgetreten wurde, auch wenn ich davon ausgehe, dass man sich das nicht in der Dimension vorstellen konnte.

Peinlich ist natürlich auch, dass es scheinbar gerade unter den Outdoor Menschen den Hang zum selberbasteln gibt und somit die Solidarität mit Dawanda größer zu sein scheint, als man sich das bei JW vielleicht dachte.  Kann man auch nicht drauf kommen, wenn man Jacken und ähnliches herstellt, dass diese Outdoorleute wirklich ganz prima sind im improvisieren und selbermachen. Wozu würden sie sonst JW Jacken benötigen? Wenn man kalt hat, kann man sich ja als Selberbastler ein Schaf schlachten, oder so.  Ach, Mist ich wollte doch nicht sarkastisch werden! Verzeihung!

Ist nur ein weiteres Gedankenspiel in der ganzen Geschichte. Im Sinne von Vodafone vielleicht, wo man wohl meinte dass einen 500 Blogger nicht stören, wenn man Produkte für 40 Millionen Menschen macht.

Ich vertrete immer noch die Meinung, dass jedes Unternehmen froh sein sollte, wenn jemand anderes Ihre Logos nachmacht und verfälscht. Denn ich halte das für so was wie Fanwear, bzw. eine Hommage ans Orginal und indirekte Werbung. So viel über den Dingen stehen muss man aber erstmal können. Auch viele Possenreißer und Hofnarren wurden geköpft,obwohl sie offiziel die einzigen mit Erlaubnis waren, dem König die Warheit, nur eben lustig verpackt, zu sagen. Aber echte Größe zeigen nur diejenigen, welche über sich selbst lachen können und über diesen Dingen stehen. Gerade wenn es um klein und kleinst Mengen geht und im vorliegenden Fall immer noch nicht klar ist was Katzenpfoten mit Wolfstatzen jetzt wirklich zu tun haben.