Werbespotter Werbung sehen, verstehen und sezieren :)

1Aug/13Off

Dieser Hammer ist der Hammer

Seit vielen Wochen macht Hornbach einen auf Hammerhart.  Immer frei nach dem Motto:  "Dieser Hammer ist der Hammer." Dabei ist das schon was besonderes, wenn ein Unternehmen ein Produkt bewirbt, was nachweislich längst ausverkauft ist. Ausverkauft? Ok, nein. Ein paar der Dingern, also ca 700 haben die Leute von Hornbach dann wohl doch noch in irgendeinem Lager versteckt und liefern es jetzt partout nicht aus, oder wie? Online ist da jedenfalls schon lange nichts mehr zu machen. Ein Panzer reicht übrigens für grade mal 7000 HammerHämmer, gar nicht mal so viel wie ich finde.

Der Hammer ist dann auch nicht ganz billig. 25 EUR pro Hammer sind ein durchaus stolzer  Preis für so ein Produkt.  Google findet Online ebenfalls hochwertige und gut verarbeitete Schlosserhämmer bereits ab ca. 5 EUR, also quasi 80 % günstiger. Ich glaube für den Hobbyhammerer ist das durchaus ausreichend. Wenn sie natürlich Profihämmerer sind und jeden Tag auf alles einschlagen was sie finden können, dann muss natürlich die Qualität des Hammers so hoch sein, dass er auch ewig hält und zumindest das verspricht der Hornbach-Hammer ja, dass er gemacht ist für die Ewigkeit. Und da hab ich gleich schon wieder eine Frage.

Ist für die Lebensdauer eines Hammers nicht viel mehr der Stil entscheidend als der Stahlkopf?

Panzerstahl hin oder her, Stahl ist meistens völlig ausreichend hart um herkömmliche Nägel oder ähnliches in Wände zu klopfen. Ich glaube so viele Nägel und andere Dinge kann man nicht einschlagen müssen, dass einem normalen Menschen, also keinem Handwerksprofi der jeden Tag hämmert was das Zeug hält, Dachdecker z. B., aber der hat sowieso wieder nen anderen Hammer, der Kopf eines Hammers jemals Sorgen hätte bereiten müssen. Oder wie oft haben Sie zuhause gestanden und Nägel in die Wand geschlagen und sagen müssen, Mist, jetzt ist der ganze Hammerkopf wieder verbogen?

Für die Haltbarkeit ist doch eigentlich viel mehr der Stil des Hammers wichtig. Denn das ist mir sehr wohl schon passiert, dass der Hammerkopf vom Stil gerutscht ist oder auch, das der Stil gebrochen ist, da er durch vorbeischlagen, oder ähnliches viele Macken und Kanten hatte. Beim Hornbach-Hammer ist der Stil zwar auch Qualitätsarbeit, echtes Hickory-Holz. Aber wahrscheinlich ähnlich wie beim Stahl, verschweigt der Shop oder der Spot natürlich, dass so gut wie alle Hammerstile heute aus dem Hickoryholz hergestellt werden, einem Baum aus der Familie der Wallnussgewächse die heute nur aus Nordamerika oder Ostasien kommen. Vielleicht wäre der Weg des Holzes für den Stil sogar spannender gewesen, als das einschmelzen des uralten Ostblockpanzers, nur so als Anregung für die nächste Auflage HornbachHammer.

Die Kampagne ist durchaus gelungen, das kann man nicht anders sagen, denn einen Hammer zu verkaufen, den eigentlich jeder zuhause hat und damit gleich das eigene Image als Baumarkt für die Oberhammerer auf zu polieren ist schon ein echt gelungener Coup. Quasi so als würde ihr Bäcker ihnen echte Brötchen aus echtem Mehl in streng limitierter Auflage an bieten und sie würden sagen, da muss ich aber mal schnell zugreifen. Bei der Agentur freut man sich also völlig zurecht über den gelungenen Coup mit dem Hammer.  Der Hammer hat immerhin zu langen Schlangen in den Baumärkten geführt und sowas können sonst eigentlich nur Elektrogeräte, bzw noch genauer neue Mobiltelefone wirklich erreichen.

Und während sich die einen noch beschweren dass die ganze Kampagne Kriegsverherrlichend sei, denn schließlich kommt ein Panzer und eine sonore Stimme in dem Spot vor, verteilen die anderen ihre letzten Exemplare des Hornbachhammers an sogenannten kuriosen Orten in ganz Deutschland. Also werden die Dinger auch nicht mehr in die Märkte geliefert und alle die bereits mit Zelten vor den Baumärkten lagen müssen die Zelte abbrechen und versuchen sich dem Hammertross durch die Republik an zu schließen wenn sie noch einen der beliebten Sammlerstücke erwischen wollen.

Aus Werbersicht bin ich begeistert, aus wie wenig man doch so großartiges schaffen kann, das alle begeistert. Aus Kundensicht denk ich mir leider oft nur:  So ein Unsinn und das auch noch mit Methode.  In diesem Sinne,  Hype the Hammer, und ich bin schon gespannt auf  die nächsten geypten Produkte.  Den Bauhaus-Nagel vielleicht, Den Hagebau-Wandhaken, den Praktiker-Stecker (ach nee, den nicht mehr), den Obi-Schraubendreher, oder die Toom-Tapete vielleicht, wer kann das schon wissen. Aber der nächste Hype kommt bestimmt.

 

7Jul/10Off

smartpad 1&1 Eins wie keins

Es gibt genug Häme und Spott über die Spots von 1&1 im Internet, da darf sich jeder gerne seine Lieblinge aussuchen. Ich bin etwas irritiert über die grundsätzliche Strategie von 1&1. Erst stellt sich der nette Mann vom Kundenservice hin und sagt, dass der DSL-Anbieter ja jetzt seine Kunden vollkommen ins Herz geschlossen hat und immer ein offenes Ohr für sie hat. Dann kommt sogar "Vertrag" plötzlich von "vertragen" und die neue Offenheit kommt einem so seltsam vor, dass man wirklich Zeit braucht, diesen Sinneswandel zu glauben. Sollte das Unternehmen auf einmal wirklich ohne Knebelverträge sein, mit schnellem Service und Produkten, welche für sich selbst genommen schon so gut sind, dass die Kunden von sich aus beim Anbieter bleiben? Kaum glaubt man das, schiebt der Riese aus Montabauer plötzlich diesen neuen Spot hinterher, in dem es um das Smartpad geht.
Zack, alles wieder hin, was sie vorher versucht haben, gut zu machen.
Hallo? Das sind die Mails mit den guten Ideen und Anregungen, die ihr täglich bekommt? 🙂 Is klar, ihr bekommt täglich gerade mal eine Handvoll Mails? Ok, vielleicht mit guten Ideen oder wie? Also, das heißt, der Rest der Mails ist unglaublich großer Mist? Eventuell sogar von den größten Deppen der Welt, den Kunden, oder was?
OK, man muss ja nicht so hart darüber denken. Selbst wenn man darüber wegsieht, wird es jetzt nicht besser. Also mal angenommen: Ich gehe davon aus, dass er tatsächlich eine Handvoll Vorschlägen von Kunden hat, dann wird er ja jetzt wohl was vorlesen und sagen, dass 1&1 dieses und jenes so toll finden, dass sie es bald umsetzen.
Wieder daneben. 🙂

Also nochmal:
Das sind die Mails mit den guten Ideen, aber die interessieren uns nicht. Wir machen lieber ein Stück Technik, welches vorher schon niemand haben wollte, in ein neues Gehäuse, nennen es etwas anders und tun so, als wäre es genauso cool wie ein ähnliches Apple-Produkt. Also wirklich Leute, wenn das jetzt der große Wurf ist, mit dem ihr so an eure Kunden denkt, also dann weiß ich es auch nicht! Vielleicht ist das ehrlichste an dem Spot dann tatsächlich die Tatsache, dass 1&1 in dem Spot zugeben, dass sie einen Sch... auf ihre Kunden geben und schön weiter das machen, was sie sowieso wollen. Ob das ein gutes Produkt ist oder nicht, ist ihnen völlig egal. Ob das ganze jemand braucht oder nicht, auch egal. Hier nochmal der Spot zum Selbernachdenken:

Fast noch spannender ist die Kurzdoku zum Dreh des Spots mit Pepe Danquart. Daran sieht man mal wieder, dass selbst ein Oscar einen nicht vor Geldjobs bewahrt. 🙂